Sigma hat mit seinem FoveonX3-Sensor ein Alleinstellungsmerkmal in der gesamten Fotoindustrie. Dieser arbeitet nämlich anders als die quasi zum Standard gewordenen Bayer-Sensoren. Währen der Bayer-Sensor rote, grüne und blaue Farbpixel auf dem Sensor in einem bestimmten Muster anordnet und dann später die eigentliche Farbinformation errechnet, sind im FoveonX3-Sensor quasi 3 Sensoren die jeweils nur eine der Grundfarben aufnehmen hintereinander geklebt. Dadurch muss die Farbinformation nicht durch die Software interpoliert, also errechnet werden, was in einer deutlich farbtreueren Wiedergabe mündet.

Wir haben uns die beiden Kameras Sigma DP2 Merrill sowie DP3 Merrill in einem kurzen Spaziergang genauer angesehen. Die beiden bis auf das Objektiv baugleichen Kameras bieten einen 14 Megapixel-Sensor der ISO 100 bis ISO 6400 unterstützt. Die Kameras können mit einem Kontrastautofokus fokussiert werden, oder über den Fokusring am Objektiv. Die DP2 bietet ein 30mm Objektiv (45mm Kleinbildäquivalent) während die DP3 ein 50mm Objektiv (75mm Kleinbildäquivalent) verbaut hat.

Die Kameras bieten eine angenehme Größe, die sich trotz des fehlenden Handgriffs sicher anfassen kann. Die Objektive sind schön klein und passen optisch gut zum Kameragehäuse. Das 3 Zoll große Farbdisplay kann leider nicht überzeugen. Es bietet keine hohe Auflösung an und die Farbwiedergabe lässt zu wünschen übrig. Die Bilder wirken an einem IPS-Monitor komplett anders als auf dem Monitor der Kamera.

Optisch leisten die beiden Kameras eine sehr gute Performance ab. Das 30mm Objektiv bietet so wie das 50mm Objektiv eine maximale Blendenöffnung von f/2.8. Die 50mm-Variante bietet sogar einen Makro-Modus. Das Bokeh ist Sigma-typisch sehr weich und angenehm. Die Schärfe sitzt genau da, wo man sie haben möchte. Da Sigma aber Objektive für alle größeren Kamerasysteme im Angebot hat, ist das nicht Sigma-exklusiv. Die DP3 mit 50mm bietet sich vor allem für Portrait-Fotografie an, während die DP2 mit 30mm eher einen Allrounder darstellt.

Ebenfalls negativ sticht die Verarbeitungsgeschwindigkeit der Kamera nach einem geschossenen Foto heraus. Zwar besitzen beide Kameras einen Buffer von ca. 7 Fotografien. Doch wer nach dem geschossenen Foto schnell nachschauen möchte, ob die Schärfe richtig sitzt muss sich gut 10 Sekunden gedulden, bis das Foto betrachtet werden kann. Die langsame Verarbeitungsgeschwindigkeit ist allerdings nicht nur ein Problem der Kamera. Auch die von Sigma mitgeliefert Software Sigma Photo Pro, mit der die X3F-RAW-Dateien entwickelt werden müssen, weist sich als sehr langsam aus und ineffizient. Leider gibt es keine zufriedenstellende Unterstützung von Drittanbieter-RAW-Konvertern wie Adobe Camera Raw oder Raw Therapee.

Die RAW-Dateien selbst bieten viele Möglichkeiten der Nachbearbeitung vor allem wenn es um das Thema Farbwiedergabe und -Korrektur geht. Doch auch der FoveonX3-Sensor bietet Einschränkungen. So ist die ISO-Performance bei ISO-Werten über 200 unterirdisch.

Fazit:

Kameras mit FoveonX3-Sensor waren von je her bereits eher bei Liebhabern anzusiedeln. Wer mit den Problemen wie der langsamen Verarbeitungsgeschwindigkeit, der langsamen PC-Software sowie den eingeschränkten Möglichkeiten bei Dunkelheit klarkommt, für den bietet Sigma ein tolles Gesamtprodukt mit einer unerreichten Farbwiedergabe. Wer hingegen auf eine schnelle Kamera oder eine gute ISO-Performance wert legt, sollte sich lieber bei den Kollegen von Nikon, Canon oder Olympus umschauen.

Sigma hat von den beiden Kameras bereits Nachfolger in Form der DP2 und DP3 Quattro am Markt, sodass man die Merrills bei Interesse günstig bekommen kann.