Seit Dezember 2015 bin ich Kunde bei N26, damals noch unter Number26 firmierend und in Kooperation mit der Wirecard Bank arbeitend. Auf das Start-Up aufmerksam wurde ich, weil ich wegen eines Umzuges ohnehin gezwungen war, meine Bank zu wechseln. Es ist nämlich als Sparkassenkunde von Sparkasse A nicht möglich, seine Bankgeschäfte bei Sparkasse B zu erledigen, sodass man auf kurz oder lang sein Konto transferieren muss. Als Informatikstudent und allgemein sehr technikaffiner Mensch schaute ich mich nach Alternativen um.

Number26 sprang mir durch das extravagante Aussehen der Mastercard und des kostenlosen Kontos direkt ins Auge. Nettes Gimmick war dabei auch die Möglichkeit, sein Konto komplett über das Smartphone zu verwalten und die NFC-Funktion der Bankkarte. Von Dezember nutzte ich das Konto noch parallel zu meinem Konto bei der Sparkasse und merkte auch direkt erste Einschränkungen. So war damals die Mastercard-Akzeptanz im Lebensmitteleinzelhandel leider noch nicht so gut wie sie jetzt ist, sodass ich ziemlich oft auf meine Sparkassen-Card als BackUp setzen musste. Besonders ist mir das bei Nahkauf-Filialen und Penny aufgefallen. Doch auch manche Restaurants oder Geschäfte in der Fußgängerzone setzen bis heute noch auf eine reine Akzeptanz der nationalen Girocard (ehemals EC-Karte).

Ab Februar 2016 bin ich dann komplett auf Number26 als Hauptkonto umgestiegen und verzichtete komplett darauf, eine Girocard mitzunehmen. In manchen Situationen war das zwar etwas peinlich, wenn keine Mastercardakzeptanz gegeben war, allerdings konnte man mit der Zeit gut herausfinden, wo man Zahlen kann und wo nicht. So nimmt der Burger King in der Kaiserstraße in Karlsruhe nur Girocard ab 5€, der McDonald’s gegenüber aber alle großen Kartensysteme ab dem ersten Cent.

Das Konto an sich funktioniert bis heute sehr zuverlässig, auch mit der Umstellung auf die eigene Bank und in meinem Fall die N26 Black Mitgliedschaft lief reibungslos ab. Zwar kann man nicht alle Vorteile einer World Elite Mastercard genießen, aber die inkludierten Versicherungen sind ein nettes Gimmick und der kostenfreie Bargeldbezug im Ausland praktisch – auch wenn die allgemeine Kartenakzeptanz im Ausland deutlich höher ist als in Deutschland.

Richtig praktisch ist auch die Moneybeam-Funktion, mit der man Geld in Echtzeit an seine Freunde schicken kann. So kann man sich beispielsweise in Sekundenbruchteilen Geld leihen oder eine Rechnung im Restaurant einfach splitten, indem eine Person zahlt und die anderen „beamen“ über die App das Geld. Auch das Einzahlen von Geld gestaltet sich etwas anders als bei klassischen Banken. Anstatt an einen Automaten oder zum Bankschalter zu müssen, generiert man über die App einen Barcode, den man dann in einem Geschäft welches mit Barzahlen.de zusammenarbeitet (zB. die REWE Gruppe oder Mobilcom-Debitel) vorzeigt und dort die Summe Bar begleicht. Auch Geldabheben geht so, und zwar unbegrenzt oft.


Doch ganz problemlos funktioniert N26 auch nicht. So gab es häufiger mal Probleme mit dem Log-In in die App und auch die Pushbenachrichtigungen für abgehende Lastschriften waren eine sehr lange Zeit nicht existent. Dabei sind die Pushbenachrichtigungen ein zentraler Bestandteil des Angebots und eines der großen Verkaufsargumente: Bei jeder Zahlung, Abbuchung oder Gutschrift bekommt man, wenn gewünscht, eine Benachrichtigung auf das Handy. Auch die 2-Faktor-Authentifizierung der Mastercard (3D-Secure oder SecureCode) funktioniert über eine Pushbenachrichtigung, welche man in der App bestätigen muss. Zudem bekam das Unternehmen viel negative Kritik, als manche kostenlosen Bestandteile plötzlich kostenpflichtig wurden, weil sie für das Unternehmen sonst einfach zu teuer wurden. So wurde eine Begrenzung in der Anzahl der kostenlosen Abhebungen eingeführt oder das gebührenfreie Einzahlen von Geld via Cash26 auf 100€ pro Monat limitiert. Nach dieser Summe wird jede Einzahlung mit 1,5% der Einzahlungssumme bepreist.

Innerhalb der App gibt es die Möglichkeit, die Ausgaben zu Kategorisieren und zu Verschlagworten. Auch kann man an eine Transaktion ein Foto anhängen, zB. vom Kassenzettel oder von der Ware selbst. Normalerweise legt die App die Kategorie der Transaktion bei einer Überweisung anhand des Verwendungszwecks oder der Händlerkategorie bei einer Kartenzahlung fest, doch manchmal geht das in die Hose und es wird eine falsche Kategorie ausgewählt. Ist das der Fall kann man händisch selbst die Kategorie ändern.

Zum Standard-Konto gehört eine kostenlose Mastercard. Ab einem Umsatz von 100€ auf dem Konto kann man sich in Deutschland und Österreich kostenfrei eine Maestro-Karte dazu bestellen, was die Akzeptanz der Karten nochmals etwas steigert. Man kann, wenn man das Konto als Gehaltskonto nutzt, Student ist oder unter 26 Jahre alt mit der Mastercard bis zu 5 kostenlose Bargeldabhebungen durchführen, ansonsten 3. Jede weitere Abhebung kostet 2€ und auch das Abheben mit der Maestro-Karte kostet unabhängig von den kostenfreien Abhebungen 2€. Zusätzlich gibt es noch N26 Black und N26 Metal, welche kostenpflichtig ein Premium-Design der Karte anbieten und diverse Versicherungen, kostenlosen Bargeldbezug in Fremdwährung sowie im Falle von N26 Metal noch weitere Partnerangebote enthalten.

Zu der Mastercard selbst ist auch noch einiges zu sagen. So kann man die Pin der Karte in der App festlegen und auch ändern. Zudem unterstützt die Karte, anders als beispielsweise die VISA der ING DiBa, Offline-Pin, sodass man auch in Ländern wie Großbritannien seine Pin eingeben muss, anders als bei Karten von anderen deutschen Banken, bei denen man dann unterschreiben muss. Dank des Service-Codes 201 funktioniert die Karte auch in Flugzeugen oder den Bord-Restaurants der Deutschen Bahn, was die Karte sehr vielseitig macht.

Neben dem klassischen Girokonto versteht sich N26 als Plattform für andere Fintech-Angebote. So kann man über N26 Invest Geld investieren und in der App bestimmen, ob man zurückhaltend Geld anlegen will und dementsprechend auch weniger Rendite erhält, oder ob man risikobehaftet sein Geld anlegen möchte mit einer möglichen hohen Rendite, aber auch einem größeren Risiko eines Verlustes. Für Sparer gibt es auch einen separaten Sparplan mit bis zu 1,6% Zinsen. Auch kann man seine Versicherungen über den Makler Clark digitalisieren und dann bequem über die N26-App verwalten. Diese Angebote habe ich persönlich allerdings noch nicht ausprobiert, da ich das Konto als reines Girokonto nutze.

Alles in allem kann man sagen, dass das N26 Konto samt Karte zumindest für mich sehr zuverlässig arbeitet und auch auf Reisen keine Einschränkungen bietet. Doch mittlerweile gibt es bereits teilweise mehr, teilweise weniger sinnvolle Konkurrenzmodelle: Die Sparkassengruppe ist momentan mitten im Beta-Test von Yomo, einem App-Konto mit einer Girocard samt Girocard Kontaktlos. Auch das britische Unternehmen Revolut, bekannt für ein Prepaid-Konto mit guten Wechselkursen drängt zunehmend auf den deutschen Markt und auch die etablierten Direktbanken wie die DKB, ING DiBa oder 1822direct haben attraktive Angebote.